Ärzte wissen: Wer Gemüse statt Fleisch isst, beugt Krebs, Rheuma & Co. vor und kann manche Krankheiten sogar heilen.
„Essen Sie knackiges Gemüse, frische Kartoffeln, dazu eine raffinierte Soße und – mal kein Stück Fleisch!” Wenn seine Patienten ihn fragen, wie sie sich denn nun am besten ernähren sollen, antwortet Dr. Arne Schelling genau dies. Denn aus Erfahrung weiß der Berliner Arzt: Viele Krankheiten lassen sich mit einer vegetarischen oder fast fleischlosen Kost deutlich bessern. „Besonders für Menschen mit Diabetes Typ 2 ist vegetarisches Essen überaus gesund”, so Schelling. Schon allein, weil Vegetarier deutlich seltener Übergewicht haben (eine der Hauptursachen von Typ-2-Diabetes).
„Zudem essen sie bis zu 100% mehr Ballaststoffe als Fleischesser”, so der Allgemeinmediziner von der Diabetes-Spezial-klinik in Berlin. Genau das sei wichtig, weil ballaststoffreiches Essen im Dünndarm dafür sorgt, dass Kohlenhydrate, etwa aus Brot oder Nudeln, langsamer ins Blut gelangen und deshalb der Zuckerspiegel erstens nicht so schnell und zweitens nicht so hoch steigt. Doch nicht nur bei Typ-2-Diabetes ist vegetarisches Essen gesünder.
Weltweite Studien belegen eindeutig: Fleischverzicht reduziert enorm das Risiko für zahlreiche Krankheiten . Beispielsweise sinkt die Wahrscheinlichkeit
um 95%, an Herzinfarkt zu sterben,
um 88%, Dickdarmkrebs zu bekommen
und um 50%, an Divertikulitis (entzündliche Ausstülpungen im Darm) zu erkranken.
Größtes Plus der vegetarischen Küche ist ganz offensichtlich der Fleischverzicht. Denn auch das zeigen Studien, bei denen fast 550.000 Teilnehmer zwischen 50 und 71 über 10 Jahre beobachtet wurden: Wer viel Fleisch isst, erhöht das Risiko für
Darmkrebs,
Brustkrebs,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
und Osteoporose.
Das Erschreckende dabei – es sind schon ganz alltägliche Mengen Fleisch, welche die Risiken steigern. So ergab die Studie: Wer 150 Gramm und mehr Fleisch (inklusive Wurst) täglich zu sich nahm, war am meisten gefährdet. Eine Menge, die schnell erreicht ist, bedenkt man, dass ein kleines
Schnitzel schon 125 Gramm, eine Frikadelle 150 Gramm, eine Bockwurst 115 Gramm und eine Portion Aufschnitt rund 30 Gramm wiegt. Eine große britische Studie kam sogar zu dem Ergebnis, dass gerade einmal 57 Gramm (!) rotes Fleisch am Tag das Risiko für Brustkrebs um 56 Prozent gegenüber den Frauen erhöht, die kein oder nur sehr wenig Fleisch essen. Sind die Fleischwaren geräuchert, steigt das Risiko sogar auf 64 Prozent. Auffällig war, nur rotes Fleisch, beispielsweise Rind, Schwein, Schaf, Ziege usw., erhöht die Gefahr. Fisch und Geflügel dagegen nicht.Warum zu viel Fleisch ungesund wirkt, ist bislang noch nicht genau erforscht. Wahrscheinlich kommen mehrere Faktoren zusammen:
Kein Wunder also, dass eine Umstellung auf vegetarisches Essen bei vielen Beschwerden wie Medizin wirken kann. So hat Fleischverzicht zum Beispiel bei Gicht nachweislich eine therapeutische Wirkung. Auch gegen Rheuma wirkt vegetarisches Essen. Warum, ist schnell erklärt: Fleisch, besonders Schweinefleisch, enthält große Mengen Ara-chidonsäure. Diese Fettsäure heizt Entzündungen im Körper an – und somit auch Rheuma. Isst man dagegen vegetarisch, wirkt dies wie eine Therapie, Rheuma-Marker im Blut und Schmerzen nehmen messbar ab.
Beim Grillen, Räuchern, Pökeln und scharfen Braten entstehen im Fleisch Schadstoffe, etwa Nitrosamine.
Fleisch enthält sehr viel Eisen, das zur Oxidation neigt und damit zur Belastung mit freien Radikalen beiträgt.
Der deutsche Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen glaubt sogar, dass Fleisch mit krebserregenden Viren befallen sein könnte. Allerdings ist dies bislang nur eine Theorie, die wissenschaftlich noch nicht bewiesen wurde.
Sogar das Risiko, an einer schweren Krankheit zu sterben, ist bei Vegetariern im Vergleich zu Menschen, die sich normal ernähren, deutlich geringer – bei Männern um 50% und bei Frauen immerhin noch um 30%! Das fand das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg in einer Langzeitstudie über 21 Jahre mit fast 2.000 Teilnehmern heraus.
Und das Erstaunliche: Man muss dazu gar nicht völlig auf Fleisch verzichten. Denn die Heidelberger Studie zeigte auch: Ideal ist, wenn man gelegentlich ein kleines Stück Fleisch und Fisch isst, sonst aber vor allem pflanzliche Lebensmittel. „Ein-
Aber es ist bei Weitem nicht nur der Fleischverzicht, der die vegetarische Küche so gesund macht, versichert der Berliner Arzt Arne Schelling. Vegetarisches Essen
• enthält bis zu 100% mehr Ballaststoffe. Diese beschleunigen die Verdauung und sorgen so dafür, dass schädliche Substanzen nicht so lange
auf Dick- und Dünndarm einwirken;
versorgt um ein Vielfaches besser mit gesunden sekundären Pflanzenstoffen;
ist meist fett- und kalorienärmer;
deckt den Bedarf an allen wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralien .
Der Arzt Arne Schelling ist deshalb sicher: „Würden sich alle Menschen vegetarisch ernähren, könnten sehr viele Krankheiten vermieden werden.”
bis zweimal je Woche darf es ruhig etwas Bio-Fleisch sein, das dann die restlichen Nährstoffe liefert, die bei Vegetariern schon mal kritisch sein können”, sagt auch der Ernährungswissenschaftler Prof. Claus Leitzmann, der selbst aber aus ethischen Gründen komplett auf Fleisch verzichtet.
Quelle: plus Magazin 08/2010