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Archiv: November 2010

Das Broken-Heart-Synrom

Stress kann das Herz bustäblich brechen. Nach einem Erdbeben in Japan 1991 wurde erstmals das sogenannte Broken-Heart-Syndrom beschrieben.

Diese Krankheit ist bis heute relativ wenig erforscht. Fest steht nur: Sie trifft fast immer Frauen über 60 Jahre nach einem einschneidenden Erlebnis. Und die Symptome ähneln denen eines Herzinfarktes: Atemnot, Brustschmerzen, Übelkeit. Zwar haben die meisten Patientinnen Schlimmes hinter sich – den Tod eines nahestehenden Menschen etwa. Doch manchmal reiche schon eine Überraschungsparty oder die Aufregung über einen Lottogewinn aus, die Krankheit auszulösen, erzählt Rainer Schumann, Chefarzt der Dr.-Becker-Klinik Möhnesee bei Soest (Nordrhein-Westfalen). Das vor allem ältere Frauen betroffen sind, liegt eventuell an dem immer weiniger werdenden Östrogen in ihrem Körper nach den Wechseljahren. Östrogene – also die weiblichen Geschlechtshormone – wirken normalerweise herzschützend. Die Ursache des Syndroms sind aber vermutlich die Stresshormone, die die Nebenniere bei der Belastung in großem Maße ausschüttet: Diese Hormonexplosion verkraftet das Herz nicht, ein Teil davon stellt einfach die Arbeit ein. Weil die Symptome und das EKG zunächst auf einen Herzinfarkt hindeuten, bekommen die Frauen den üblichen Herzkatheter gelegt, erläutert Michael Becker, Kardiologe an der Uni-Klinik Aachen. Erst dann offenbart sich der Trugschluss. Denn die Herzkranzgefäße werden normal durchblutet, von einer Verstopfung oder gar einem Verschluss keine Spur. Allerdings bewegt sich ein Teil des Herzens nicht mehr. Doch jetzt kommt die gute Nachricht: Fast alle Patientinnen mit Broken-Heart-Syndrom überleben. Die Sterberate liegt nur bei etwa drei Prozent. Außerdem heilt das Herz von selbst. Die Veränderungen bilden sich innerhalb von Wochen fast immer vollständig zurück, erklärt Schumann.

Betablocker glätten zwar die Wirkung der Stresshormone ab. Eine wirkliche Vorbeugemöglichkeit besteht aber wohl nicht. Eine Psychotherapie kann jedoch helfen, besser mit Stress umzugehen.

Qelle: Berliner Woche, KW 47

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